Die bekannteste Marke der Welt

  • Kragenspiegel „Rotes Kreuz“, 20. Jahrhundert

Major Karl August Brodrück wurde am 27.03.1815 in Seligenstadt geboren und wuchs in Groß-Steinheim in einem bildungsbürgerlichen Haushalt auf. Wohl inspiriert von der geschichtsträchtigen Altstadt schrieb er noch auf der Hohen Landesschule in Hanau „Die Geschichte der Stadt Steinheim“. Anstatt Geschichte zu studieren, der ältere Bruder belastete die Familienkasse durch sein Studium schon stark, ging Karl August zum Militär.

Den Weg zur Laufbahn als Soldat fand er durch die Vermittlung seines Freundes Freiherr Heinrich Joseph zu Weitershausen. So trat Brodrück im Jahre 1831 in Weitershausens Kompanie beim 2. Infanterieregiment ein. 1860 wurde er Major und gehörte zeitweise dem Generalquartiermeisterstab an. Auch im Militärdienst erlosch das Geschichtsinteresse des musisch und wissenschaftlich geprägten Offiziers nie und so lehrte und forschte er unentwegt zur Kriegsgeschichte. Der gebildete und von liberalen und humanitären Ideen geprägte Brodrück erschien als geeignet für militärisch-diplomatische Aufträge des Großherzogs.

Ausschnitt aus: Convention pour l’amélioration du sort des militaires blessés dans les armées en campagnes du 22 août 1864

Bild: Schweizerisches Bundesarchiv

Major Karl August Brodrück

Bild: aus Steinheimer Bilderbücher, Leo Mayer

1863 lud die Genfer Gemeinnützige Gesellschaft, veranlasst durch den Genfer Philanthropen und Freund Brodrücks Henry Dunant, zu einer Konferenz zur Unterzeichnung der ersten Genfer Konvention. Der Hanauer Louis Appia wurde kurz zuvor gebeten, im „Komitee der Fünf“ die Ideen Henry Dunants zur Gründung freiwilliger Hilfsgesellschaften für Kriegsverletzte zu prüfen und dieser konstruktiv mitzuwirken. Damit war Appia eines der fünf Gründungsmitglieder des Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege. Auf der internationalen Konferenz in Genf im Oktober 1863 schlug er zusammen mit weiteren Delegierten vor, dass alle freiwilligen Helfer auf den Schlachtfeldern weiße Armbinden als Kennzeichnung tragen sollen und somit als unverletzlich gelten. Im Krieg sollten Verwundete und erkrankte Soldaten ohne Unterscheidung nach Nationalität behandelt und gepflegt werden. General Guillaume-Henri Dufour ergänzte diesen Vorschlag um ein Rotes Kreuz auf der Binde als Erkennungsmerkmal. So wurde die Umkehrung der Schweizer Flagge, das Rote Kreuz auf weißem Grund, zum Symbol des Komitees. Der Steinheimer Major Karl August Brodrück reiste als Vertreter des hessischen Großherzogs nach Genf und unterschrieb diese sogenannte Genfer Konvention für Hessen (in der Konvention Charles Auguste Brodruck genannt).

Nach Brodrücks Rückkehr nach Darmstadt entstand unter Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein ein Komitee zur Gründung eines hessischen Rotkreuz-Hülfsvereins. Dieser nahm 1864 seine Arbeit auf. Karl August Brodrück wurde anlässlich der ersten Hauptversammlung des Vereins im Jahre 1864 zu dessen erstem Vorsitzenden gewählt. 1876 wurde das Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege in das Internationale Komitee vom Roten Kreuz umbenannt. Das Rote Kreuz auf weißem Grund ist heute das bekannteste Markenzeichen der Welt.

 

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