Künstler im Auftrag Gottes

  • Holzbüste des Heiligen Augustinus mit Reliquie, 19. Jahrhundert, aus der Werkstatt Busch in Steinheim
  • Bürgermeister-Medaille „Großherzog Ernst Ludwig“, um 1910, verliehen an Johann Anton Busch

Hans Busch aus Meschede kam um das Jahr 1632 als Gefangener nach Groß-Steinheim. Er entfloh den Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges und wurde als Fahnenflüchtiger festgenommen und nach Steinheim überstellt. Drei Jahre später sollte er einer der wenigen Überlebenden der Pest in Steinheim sein. 1639 wurde er Vater von Hans Jacob Busch, welcher wie sein Vater, später Bäckermeister werden sollte. Der sehr religiöse Hans Jacob ersuchte 1695, mit anderen vor die Stadtmauer (heute die Steinheimer Vorstadt) ziehen zu dürfen, womit die Stadt schließlich nach außen zu wachsen begann.

Einer seiner vielen Nachfahren war der 1823 geborene Kunstschreiner und Bildhauer Georg Busch (der Ältere), welcher 1863 nach Rückkehr aus Frankreich und Hanau die „Georg Busch – Anstalt für christliche Kunst“ in Groß-Steinheim (heute Am Marstall 3) gründete. Ab 1888 firmierten die Werkstätten unter dem Sohn und Bildhauer Jacob Busch als Georg Busch Söhne, ein Jahr darauf zogen sie in die Steinheimer Vorstadt 15. Seine drei jüngeren Brüder sollten, ebenso wie er, kreativ arbeiten. Sein jüngster Bruder Johann Anton wurde Architekt und später Steinheimer Bürgermeister, Joseph brachte sich als begabter Kirchenmaler in die Werkstatt ein.

Werkstätten für Kunst und Kunstgewerbe Georg Busch Söhne in der Steinheimer Vorstadt 15, in der Mitte sitzt Jacob Busch, 1889

Bild: Familie Busch

Familie von Georg Busch dem Älteren, um 1875

Bild: Familie Busch

Johann Georg Busch studierte an der Zeichenakademie in Hanau und wurde mit der Zeit zum bekanntesten christlichen Künstler der Familie. Er erschuf Altäre, Skulpturen, Denkmäler und Grabmäler aus Bronze, Stein und Holz, die aus der Familienwerkstatt kamen und seitdem im ganzen Land prominent verwendet werden. 1901 erhält er in München den Titel des „königlichen Professors“. Zusammen mit dem jüdischen Steinheimer Großkaufmann Louis Meyer-Gerngroß schuf Busch das Friedensdenkmal, welches seit 1911 in der Altstadt am Platz des Friedens steht. Im gleichen Jahr wurde Professor Busch, der seit 1882 in München lebte und heute einen prominenten Platz in der internationalen Kunstgeschichte hat, gemeinsam mit Meyer-Gerngroß, zum Ehrenbürger der Stadt Steinheim ernannt. 

In der Stadt erinnert heute, neben vieler seiner Werke und einer nach ihm benannten Straße, vor allem das alte und lokalhistorisch bedeutende Wohnhaus mit der Werkstatt in der Vorstadt, welches im Jahr 2018 wiedereröffnet und kurz darauf als Denkmal des Monats in Hessen ausgezeichnet wurde. Nach langer und aufwendiger Restaurierung stehen nun Gebäude, originale Ausstattung und zahlreiche Kunstwerke der Öffentlichkeit bei Führungen wieder zur Ansicht. Um den Nachlass der Bildhauer- und Künstlerfamilie Busch kümmert sich eine Stiftung und die Familie unter Frau Klara Busch.

 

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