Krumm wie der Wald

  • Holz-Modell „Fischerzunfthaus“ in der Brauhausstraße 1,
    Georg und Paul Busch, 20. Jahrhundert
  • Holz-Modell „Haus Volk“ in der Harmoniestraße 7,
    Georg und Paul Busch, 20. Jahrhundert

Fachwerkbau hat sich aus der frühgeschichtlichen Holzpfostenbauweise entwickelt. Schon der bekannte römische Architekt und Architekturtheoretiker Vitruvius setzte sich in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus mit der Fachwerkbauweise auseinander, römische Gebäude enthielten bereits Fachwerkelemente. Ob das auch für die römische Siedlung am Steinheimer Mainbogen gilt, ist unklar. Vom Mittelalter an bis ins 19. Jahrhundert war das Fachwerk die meist verbreitete Bauart nördlich der Alpen, die immer wieder neue Spielarten hervorbrachte.  

Beim Gang durch die historische Altstadt kann man zahlreiche Schmuckvarianten und aufwendige Konstruktionen unterschiedlichster Bauart sehen. Hier reihen sich alte Bürgerhäuser, Adelshöfe, Amts- und Verwaltungsgebäude sowie Handwerksstätten aus vielen Jahrhunderten aneinander. Ob das Ensemble am Platz des Friedens, das Dürerhaus, der Huttenhof, die Gebäude am Wenck'schen Hof oder die Zehntscheuer, das Fachwerk ist für die Stadt stilprägend.

Haus der Fischerzunft, Zeichnungen von Ministerialrat i.R. Ludwig Kloos, 1950er Jahre

Das Haus der Fischerzunft, 1940er Jahre

Bild: Helmut Fabel

Das Haus der Fischerzunft sei an dieser Stelle als eines der wenigen in Deutschland erhaltenen frühen Zunfthäuser näher betrachtet, ist es doch von kulturgeschichtlichem Interesse. Der alte Kern des Gebäudes von ca. 1414 bestand aus einem rechteckigen Fachwerkbau. Das Untergeschoss war hallenartig mit freier Holzsäule, oben gab es einzelne Räume. Das sogenannte Rauchhaus hatte keinen Schornstein, der Rauch zog einfach nach oben durch das Dach ab. Die Architektur diente den Ansprüchen einer Zunft, man konnte sich versammeln und den Geschäften nachgehen. Damit ähnelt die Bauweise der Zunfthäuser der Bauweise von Rathäusern. Das ausgestellte Modell wurde mit hoher Detailgenauigkeit und Handwerkskunst von Georg und Paul Busch angefertigt.

Auch im alten Ortskern von Klein-Steinheim finden sich einige gut erhaltene Fachwerkbauten, vor allem an der Straße Zur Bleiche in direkter Nähe zur alten Pfarrkirche. Man darf nicht vergessen, dass Klein-Steinheim der ältere Teil Steinheims ist. Dennoch ist „das krumm wie der Wald gewachsene“ (Zitat: Wilhelm Bernhard Kaiser, 1988) Haus Volk von ca. 1395 in der Groß-Steinheimer Harmoniestraße das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Steinheim ist heute Teil der Deutschen Fachwerkstraße.

 

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