Zucker, Kaffee, Tabak, Kakao und Schokolade

  • Kaffeemühle „Original Favorite“ aus dem Ladengeschäft von Johanna Eissner
    in der Altstadt, 1950er/1960er
  • Alte Registrierkasse aus dem „Kolonialwarenladen Gramann“ in Klein-Steinheim,
    1930er Jahre

In Deutschland wurde 1938 der erste Selbstbedienungsladen als Vorgänger eines Supermarktes eröffnet. Aber wirkliche Supermärkte, so wie wir sie heute kennen, kamen erst langsam nach dem Zweiten Weltkrieg auf und orientierten sich nach US-amerikanischem Vorbild. Wenn wir heute im Rondo in Steinheim unsere Einkäufe selbst in den Warenkorb legen, scannen und bezahlen, muss oft nicht mal mehr ein Verkäufer oder Kassierer dabei sein. Das war bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts noch ganz anders. Für alles gab es eigene Läden, welche man der Reihe nach abgehen und der Verkaufskraft seine Kaufwünsche mitteilen musste, um alle seine Einkäufe erledigen zu können. So gab es nicht nur in Steinheim eine Vielzahl von Bäckern, Metzgern, Haushaltswarenläden, Miniaturkaufläden (Spielzeug), Apotheken, Modehäuser oder Handwerkerläden.

Die meisten Lebensmittelgeschäfte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren sogenannte Kramerläden. Sie boten vom Hering bis zur Seife alles an, was für den täglichen Bedarf notwendig war. Diese Ladenform hielt sich lange, daraus entwickelte sich der klassische Tante-Emma-Laden (in Steinheim bspw. Maria Roth in der Steinheimer Vorstadt). Parallel dazu entwickelten sich in den Städten in großem Stil die Gemischtwarenläden. Dazu gab es natürlich noch den Wochenmarkt auf den Markplätzen, wo man frische Waren erstehen konnte.

Lebensmittelgeschäft Maria Roth, Steinheimer Vorstadt 46

Bild: Medienzentrum Hanau-Bildarchiv / MZHU4748_E06

Ladengeschäft Wilhelm Pflips um 1928 und Kolonialwarenladen Siegfarth um 1912

Bilder: aus Steinheimer Bilderbücher von Leo Mayer

In Steinheim gab es eine Vielzahl von Einkaufsmöglichkeiten, dabei auch Kolonialwarenläden, welche eine Besonderheit im Handel darstellten.

Im Jahr 1884 trat Deutschland in den Kreis der Kolonialmächte ein. Ab diesem Zeitpunkt gab es im deutschen Handel die „Kolonialware“. Diese damals noch exotisch erscheinenden Luxusgüter wie Zucker, Kaffee, Tabak, Kakao und Schokolade waren ein hervorragend geeignetes Aushängeschild, womit jeder Kaufmann gerne warb. Die neuen Genussmittel sorgten bei den Deutschen für eine neue Lebensqualität, welche jedoch zur Last der ausgebeuteten Bevölkerung der Herkunftsländer ging.  In Klein-Steinheim fand man in den 1930er Jahren an der Straße Zur Bleiche am Kriegerdenkmal das Kolonialwaren-Geschäft der Familie Gramann, welches möglicherweise auf den Kolonialwarenladen Herty zurückgeht. Später war dort das Café Europa und das Gasthaus Zum Denkmal. Zudem konnte man in der damaligen Bahnhofsstraße 14 bei Emmi Klein Kolonialwaren und mehr einkaufen. In der Altstadt der 50er Jahre konnten die Bürger unter anderem Kaffee, Spirituosen, Naschwerk, Konserven und vieles mehr im Laden von Johanna Eisner im Dürerhaus (Dürer kehrte hier im Jahre 1520 ein) käuflich erwerben.

Neben den großen Supermärkten und Einkaufs-Malls ist die Angebotsvielfalt heute natürlich ungleich größer, allein die Warenvielfalt wäre zu früheren Zeiten absolut undenkbar gewesen. Selbstverständlich gibt es in Steinheim heute weniger Bäcker und Metzger und auch keine Kolonialwarenläden mehr, dennoch steht kein Ladengeschäft leer und man kann hochwertige Luxusmöbel, Medizin, Elektronik, Schreibwaren, Lebensmittel oder auch Mode erwerben. Zudem scheinen sich viele Menschen in Zeiten des globalisierten Massekonsums wieder mehr nach lokalen, persönlicheren, qualitativ hochwertigen und individuellen Angeboten zu sehnen, was gerade den kleineren, traditionelleren Läden durchaus entgegenkommen könnte.

 

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