„CUM PUDICA VIRGINE“

  • Taschenbuch Grimmelshausen: „Der abenteuerliche Simplicissimus“, Reclam 1961

Der kaiserliche Hauptmann und Postmeister Franz Christoph Ferdinand von Grimmelshausen sorgte im Jahr 1670 für eine Randnotiz der Steinheimer Geschichte, welche heute zum Schmunzeln einlädt. Zwanzigjährig bestellt der wahrscheinlich in der benachbarten Garnisonstadt Hanau stationierte Grimmelshausen in der Steinheimer Pfarrkirche St. Johann das Aufgebot zur Trauung mit einer „cum pudica virgine Anna Catharina“ (in etwa: „mit der züchtigen Jungfrau (...)“) welche er aber nicht vollziehen ließ. Wie es die Nachforschungen ergaben, war der zukünftige Bräutigam aber bereits verheiratet. Es liegt nahe, dass er die Hochzeit in Steinheim nur anbahnte, um die vermeintliche Braut zur Aufgabe ihrer Jungfräulichkeit zu überreden.

Frontispiz der Erstausgabe „Abenteuerlicher Simplicissimus“, 1669

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Franz Christoph Ferdinand von Grimmelshausen war ein Sohn des bischöflich-straßburgischen Schultheißen und Barockdichters in Renchen, Johann Jakob Christoph von Grimmelshausen, dem Verfasser des „Abenteuerlichen Simplicissimus Teutsch“. Dieses Werk gilt als der erste Abenteuerroman und wird in der heutigen Zeit als das wichtigste Prosawerk im Barock in deutscher Sprache angesehen. Die Handlung des Romans nimmt im Spessart seinen Anfang und spielt unter anderem auch in der Hanauer und Steinheimer Gegend. Dabei folgt Grimmelshausen der regionalen Chronologie des Dreißigjährigen Kriegs.

Steinheim war in dieser Zeit, wie auch Hanau, ein bedeutender Ort für den Kriegsverlauf in der Region. Graf Philipp Moritz von Hanau-Münzenberg war zu schwach, um eine selbständige Kriegs-Politik zu betreiben. So übergab er, auf kaiserlicher Seite stehend, die Festung Hanau an König Gustav II. Adolf von Schweden und dessen Armee. Unter dem schottischen General Jakob von Ramsay nutzte die schwedische Armee Hanau von 1630 bis 1638 als Stützpunkt, um von dort aus das Umland kontrollieren zu können. 1631 wurden von Hanauer Seite aus Burg, Stadt und Amt Steinheim von den Schweden angegriffen und schließlich als Kriegsbeute beschlagnahmt. Die Hanauer Grafen Heinrich Ludwig und Jakob Johann bekamen für ihre Unterstützung der schwedischen Sache Steinheim überlassen. Ein Zustand, der bis ins das Jahr 1634 andauern sollte.

 

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