Bender, Küfer, Schröter, Häfner

  • Schreinerwerkzeug von Wilhelm Hix, um 1900
  • Spindel-Taschenuhr, angefertigt von Peter Schwab in Großsteinheim,
    vermutl. gegen Ende des 18. Jahrhunderts

Die ersten „Handwerker“ Steinheims waren die Menschen der Steinzeit. Sie stellten steinerne und hölzerne Werkzeuge, Waffen und Keramikgefäße her. Eine erste Blüte des Handwerks gab es in der Zeit des Römischen Reichs. Auch in Steinheim gab es zu jener Zeit einen metallverarbeitenden Handwerksbetrieb an der damaligen Villa Rustica am Mainbogen. Mit der Völkerwanderung gerieten viele handwerkliche Fähigkeiten mehr oder weniger in Vergessenheit, bis im Mittelalter eine neue Hochzeit des Handwerks begann.

So gab es allerorts Zimmermann, Weißbinder, Maurer, Schmied, Beck (Bäcker), Schreiner, Schlosser, Gerber, Steinmetz, Bender (Fassbinder), Drechsler, Küfer (Fasshersteller), Schröter (Transporteure von Fässern), Krämer, Müller, Dreher oder auch Häfner (Töpfer). Gerade in einer mittelalterlichen Stadt mit Schloss wie Steinheim waren alle Gewerke vertreten. Ab 1700 kamen dann erste Metzgereien auf, zuvor wurde hauptsächlich nur für den Eigenbedarf geschlachtet. Auch Kelterei und Brauerei kamen in der Stadt eine immer größere Bedeutung zu, die Familientradition wurde für die Gewerbe immer wichtiger. Steinheim prägten unter anderem die Familie Brückner als Schlosser und später Glaser, die Familie Spielmann ebenfalls als Glaser, sowie die Familie Buhl als Metzgerei. Schmiede waren die Kaisers, Korbmacher die Knafs und Brunns. Das Schreinergewerbe wurde für fast drei Jahrhunderte von der Familie Hix ausgeführt. In der Häfnergasse saßen Häfner und fertigten Geschirr und Kacheln an. Dazu gab es viele Lein- und Wollweber, die von Steinheim aus in der Region unterwegs waren. Viele Familiennamen sind bis heute in Steinheim bekannt und verbreitet, hatten sich deren Mitglieder in unterschiedlichen Funktionen und Ämtern eingebracht oder die Welt bereist und Steinheim bekannt gemacht.

Schmiedebetrieb in Steinheim, Zeichnung von Wilhelm Gesser, 1926

Bild: Gernot Gesser

Gesellenbrief der Handwerkszunft  für den 14-jährigen Georg Busch aus Groß-Steinheim, 23. April 1876

Bild: Ingrid Seiler

So wurde beispielsweise im Jahr 1773 unter Bürgermeister Johann Nikolaus Hix (Schreinerfamilie) ein neues Rathaus auf der Gegenseite des Huttenhofs gebaut. Einer der Nachfahren von Hix, genannt „Hixe Willem“, war im Ersten Weltkrieg als Soldat in Palästina und wurde von der Türkei für seine Mitarbeit beim Bau der Bagdadbahn mit einer Medaille geehrt. Es gab auch Handwerker, die sich in diffizileren Arbeiten verstanden: 1784 wurde der Katholik und Uhrmacher Peter Schwab aus Zellhausen in die Groß-Steinheimer Bürgerschaft aufgenommen. Er verfügte über hohe Fertigkeiten, was die ausgestellte Spindel-Taschenuhr eindrucksvoll belegt. Viele handwerkliche Betriebe schlossen sich im Mittelalter und der Neuzeit zu Zünften zusammen. Damit konnte eine hohe Qualität gewährleistet und gleichzeitig verbindliche Regeln für alle aufgestellt werden, um ein hohes Maß an Gehorsam einzufordern.

Heute sind noch die Zunftbücher der Fischerzunft, der Bäcker und der Schuhmacher aus Steinheim erhalten. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verloren die Zünfte aufgrund des neu aufgekommenen Freiheitsgedankens an Bedeutung. In Steinheim kamen zu dieser Zeit viele neue Handwerksberufe auf, vor allem in den Steinheimer Ziegeleien und Druckereien, in der Zigarrenherstellung oder der Steinbrecherei. Die künstlerisch-handwerkliche Bildhauerfamile Busch erlangte mit Arbeiten zu christlichen Themen überregionale Bekanntheit. Als handwerklich talentiert galt der Silberschmied Rudolf Krammig, welcher einer der versiertesten Feinhandwerker im Steinheim des 20. Jahrhunderts gewesen ist. Heute leben wir in einer modernen High-Tech- und Dienstleistungsgesellschaft und auch das Handwerk erscheint immer vielseitiger und spezialisierter. Viele der „alten“ Berufe gibt es auch heute noch, auch in Steinheim.

 

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