Pariser Bronze und Steinheimer Gold

  • Urkunde „Weltausstellung Bronzemedaille C. Jung für Bier“, 01.07.1867, Paris
  • Metallrohr einer Brauanlage, 19. Jahrhundert

Das Hofbrauhaus war seit ungefähr 1300, zusammen mit einer Scheune und einer Schäferei, fester Bestandteil des Herren- oder Fronhofes und damit die wirtschaftliche Basis der Burg Steinheim. Ein Hofmann leitete den landwirtschaftlichen Betrieb im Auftrag der Herren von Eppstein, die an den Kurfürsten und den Erzbischof von Mainz Abgaben zu zahlen hatten. Von den Gebäuden dieser Zeit steht heute noch ein Teil der ehemaligen Scheune, daneben ein alter Wehrgang an der Stadtmauer.

1521 ließ Kurfürst und Kardinal Albrecht von Brandenburg eine Brauerei errichten, in welcher weißes und braunes Bier hergestellt wurde. Die Brauerei hatte das Privileg und Monopol, die Zent Steinheim von Mühlheim bis nach Obertshausen mit Bier und Wein zu versorgen. Das gute Wasser dazu kam aus einem Brunnen. Im Dreißigjährigen Krieg diente die zur Getreidelagerung gedachte Zehntscheuer als Magazin für Waffen. Um 1690 wurde das heutige Wohnhaus durch Kurfürst Anselm Franz von Ingelheim aus Stein erbaut.

Kaspar Jung mit Frau, um 1900

Bild: Medienzentrum Hanau-Bildarchiv / MZHU4819_F05

Ausschnitt aus einer Postkarte „Gruß aus dem Hofbrauhaus – Gross-Steinheim a/M.“, Druck: Illert & Ewald

Bild: Kai Jakob

Seit 1830 ist das Hofbrauhaus unter Konrad Jung in Besitz der Familie. Dessen Vater Kaspar betrieb eine Gastwirtschaft in der Vorstadt, in welcher auch der berüchtigte Räuber Schinderhannes Einkehr gehalten haben soll. Konrad erwarb das Recht, für die 14 Ortschaften aus dem Oberamt Steinheim, Bier zu brauen und eine Gastwirtschaft zu betreiben. Konrads Sohn, benannt nach seinem Großvater Kaspar, erhielt für sein Bier auf der Pariser Weltausstellung 1867 die Bronzemedaille. 1883 wurde Kaspar von Großherzog Ludwig lV. von Hessen-Darmstadt zum „Hofbierbrauer“ ernannt und das ehemalige kurmainzer Brauhaus zum Großherzoglich-Hessischen Hofbrauhaus. 1890 wird die Brauerei in den ehemaligen Kellereihof in der Hans-Sachs-Straße verlegt.

1917 erwirbt die Brauerei Nicolay aus Hanau die Brauereirechte. Fortan wurde in Steinheim nur noch Apfelwein gekeltert. Franz Jung führte ab 1937 die Geschäfte des Familienbetriebs und machte das Steinheimer Gold in der Region bekannt. Heute wird das Steinheimer Gold von Jörg Stier vertrieben. Seit den 1970er Jahren wird die gut besuchte Gastwirtschaft und Steinheimer Institution verpachtet. Heute ist das Hofbrauhaus im Besitz von Susanne und Nadine Büttner, den Nachfahren von Hermann Jung.

 

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