Für immer ein Illerter

  • Poesie-Album/Tagebuch von Anna Deutsch, der späteren Ehefrau Heinrich Illerts
  • Gruppenfoto von der Silberhochzeit Heinrich Illert Senior und Anna (geb. Deutsch)
  • Foto-Album des Gärtners der Familie Illert mit Fotos aus dem Familienleben
  • Musterbuch Illert & Ewald

Der gebürtige Mühlheimer Lithograph Heinrich Konrad Johann Philipp Illert (1827–1898) verlegte 1856 seine Druckerei, in welcher er hauptsächlich Etiketten für die lokale Zigarrenindustrie druckte, in die Mainstraße nach Steinheim. Nur ein Jahr später nahm Illert den Kaufmann Ewald aus Höchst am Main als Teilhaber des nun als Lithographische Kunstanstalt Illert & Ewald firmierenden Unternehmens auf. Nach anfänglicher Handarbeit führten sie die Chromolithographie für mehrfarbigen Druck ein und nahmen 1880 die erste Dampfmaschine in Betrieb. 1910 waren ca. 200 Beschäftigte in der Druckerei angestellt.

Das Geschäft wurde unter anderem auf Konserven- und Süßwarenetiketten, Werbedruck sowie Ansichtskarten ausgebaut. Zudem kam unter den Illert-Söhnen Fritz und Heinrich Wilhelm Alexander der Druck von Sekt- und Weinetiketten ins Familien-Portfolio. Der Standort wurde um das Unternehmen Gebrüder Illert GmbH auf Klein-Auheimer Gebiet erweitert. 1939 arbeiteten dort, wie auch im Steinheimer Mutterunternehmen, über 400 Menschen und man bediente internationale Kunden. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb stillgelegt und nach dem Krieg von den amerikanischen Besatzern beschlagnahmt. Ab 1948 durfte die Familie sich mit ihren Unternehmen wieder ihren Geschäften zuwenden und stieg mit einem Modejournal ins Verlagswesen ein, betrieb eine Buchbinderei und gründete das Forum Bildkunstverlag. Nach dem Zusammenschluss beider Illert-Unternehmen 1965 zu einer KG arbeiteten hier rund 1.000 Angestellte, 1987 wurde das Familienunternehmen zu einer Aktiengesellschaft umgewandelt. 1999 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Werbeanzeige „Illert und Ewald“, um 1900

Bild: Medienzentrum Hanau / MZHU4793_E5

Das Mainhochwasser geht bis an die Fabrikationsgebäude,
vermutlich um 1910

Bild: Horst Hölscher

Heute ist in Steinheim noch das Torhaus mit Torbogen und Sturzstein erhalten. Die 1860 in Ziegelbauweise errichtete Villa steht unmittelbar neben den ursprünglichen Fabrikgebäuden an der Illertstraße. Eine um 1890 erbaute französische Barock-Villa mit einem zum Main abfallenden Hanggarten steht in der Ludwigstraße. Das sogenannte Druckhaus in der alten Werkhalle an der Gerichtslinde war bereits in den 1980er Jahren ein überregional bekannter Club für Live-Konzerte, später eine American Sportsbar und wird auch heute noch gastronomisch genutzt.  

Bei Illert arbeiteten renommierte Lithographen, beispielsweise die Maler Erhard Angermann und Rolf Winter, als auch mit dem Steinheimer Hermann Huffert einer der berühmtesten deutschen Exlibriskünstler. Über 140 Jahre lang war „der Illert“ ein traditionelles, aber dennoch innovatives Weltunternehmen und in der Region ein beliebter Arbeitgeber. Wer einmal dort „schaffte“, der war „für immer ein Illerter“. Die Firma Illert GmbH & Co.KG führt die alte Tradition des Etikettendrucks im Steinheimer Gewerbegebiet fort.

 

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