Das unauslöschliche Siegel

  • Diverse Bücher von Elisabeth Langgässer, 20. Jahrhundert

Elisabeth Langgässer wurde 1899 in Alzey geboren und war eine deutsche, christlich bis mystisch orientierte Schriftstellerin. Sie arbeitete nach dem Ersten Weltkrieg unter anderem als Volksschullehrerin und war um das Jahr 1920 für ca. ein Jahr Lehrerin und Schulverwalterin der Schule von Klein-Steinheim (heutige Theodor-Heuss-Schule).

Langgässer beschäftigte sich in ihrem avantgardistischen Frühwerk intensiv mit dem Konflikt eines satanisch-triebhaften Lebens und dem Göttlichen. Sie war vor allem bekannt für ihre Lyrik, ihre Kurzgeschichten und Erzählungen und gilt mit ihrem Spätwerk als eine typische Vertreterin der Nachkriegsliteratur. Besonders prägend für das Leben der Schriftstellerin war die Zeit des Nationalsozialismus. Sollte sie nach der Machtübetragung an die Nationalsozialisten 1933 noch Adolf Hitler wählen, wurde sie schon zwei Jahre später als Halbjüdin eingestuft, woraufhin ihr Ehemann Wilhelm Hoffmann seine Stellung als Redakteur verlieren sollte. Langgässer selbst wurde ein Jahr später aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und bekam ein Publikationsverbot auferlegt, an welches sie sich aber nicht hielt: Ihre Rettung am Rhein wurde bereits 1938 veröffentlicht. Kurz darauf begann sie heimlich die Arbeit an Das unauslöschliche Siegel, ihrem heute bekanntesten Werk.

Elisabeth Langgässer in jungen Jahren

Cover-Gestaltung der Erstausgabe von „Das unauslöschliche Siegel“ von 1946, Claassen & Goverts Hamburg

Während des Zweiten Weltkriegs musste die Autorin in einer Munitionsfabrik Zwangsarbeit leisten und erkrankte an Multipler Sklerose. Ihre Tochter Cordelia galt, anders als ihre Mutter, als Volljüdin und wurde erst in das KZ Theresienstadt und dann in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dass ihre Tochter überlebte, fand Langgässer erst im Jahre 1946 heraus. Nach dem Krieg schrieb sie als Verfolgte des NS-Regimes in einem den Holocaust thematisierenden Pessimismus oder, je nach Lesart, auch Realismus. Dabei gilt sie als eine starke Kritikerin der Schriftsteller der sogenannten Inneren Emigration, welche ihrer Meinung nach nicht ausreichend Position gegen den Nationalsozialismus bezogen.

In ihrem Todesjahr 1950 wurde ihr postum der Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen, die sie im Jahr zuvor (zusammen mit 48 anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, darunter auch Adolf Grimme und Erich Kästner) mitbegründet hatte. Zudem wurde sie zuvor noch in die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur aufgenommen.

„Aber ich halte es für erwiesen [...], daß in der Zeitlichkeit stets das Böse über das Gute den Sieg davonträgt und der Endsieg über das Böse Gott sozusagen persönlich durch einen Eingriff von oben muß vorbehalten bleiben. Daher gibt es keinen geschichtlichen Zeitraum, der nicht mit der Katastrophe, und zwar zwangsläufig, enden wird.“ 
(Elisabeth Länggässer: „Das unauslöschliche Siegel“, Band 2, Sammlung Luchterhand, S. 23)

 

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