Seide aus dem Vatikan

  • Mandylion-Abbild, angefertigt von Johannes Angelus Graf Braschi, gegeben aus der Sakristei der Vatikanbasilika am 12. April 1762; bemalte Seide im Holzrahmen

Johannes Angelus Graf Braschi war ab 1758 Priester und dann Hausprälat des Papstes. 1773 wurde er zum Kardinal ernannt, am 15.02.1775 zum Papst gewählt. Sein Pontifikat als Papst Pius VI. dauerte 24 Jahre und zählt damit zu den längsten der Kirchengeschichte.

Bei dem Mandylion von Edessa (Abgar-Bild) handelt es sich um eine Darstellung von Jesus Christus und eine der kostbaren Reliquien des Christentums. Der Legende nach handelte es sich um ein Tuch, auf welches die Gesichtszüge von Jesus Christus übertragen wurden, eventuell auch um das bekannte Turiner Grabtuch und damit um die älteste Darstellung von Jesus. Zudem existiert das Schweißtuch der Veronika. Der Überlieferung nach soll die heilige Veronika Jesus Christus auf seinem Weg nach Golgota ein Tuch gereicht haben, damit er sich Schweiß und Blut vom Gesicht wischen kann. Dabei soll sich sein Gesicht auf dem Tuch abgebildet haben.

An dieses sogenannte Veronikabild, an das Holz des Heiligen Kreuzes von Jesus und die Heilige Lanze wurde das hier vorliegende, bemalte Seidentuch am 11. April 1762 von Braschi selbst angelegt, später bearbeitet und gerahmt. Damit wurde es dem Glauben nach zu einer heiligen Bild-Ikone von Christus.

Einlassung in der Rückseite des Rahmens mit Texteinlage, Prälatenwappen und Signatur von Braschi

Bild: Kai Jakob

Das Gemälde Hl. Veronika mit dem Schweißtuch Christi des Malers Meister der heiligen Veronika, ca. 1420

Bild: The Yorck Project

Ob Braschi dieses Abbild selbst der katholischen Pfarrei in Steinheim zukommen ließ, ist unbekannt. Überliefert ist nur, dass es vor vielen Jahren bei Renovierungsarbeiten der Pfarrkirche zufällig gefunden und vor der Zerstörung gerettet wurde. Aufgrund der Herkunft als auch der qualitativ hochwertigen Machart handelt es sich sicher um ein durchaus bedeutendes Stück der katholischen Kirchengeschichte Steinheims.

 

Textauszug der Rückseite (Übersetzung: Christoph Neuert):

Johannes Angelus Braschi

„Referendar beider Signaturen, Hausprälat unseres Heiligsten Vaters Papst CLEMENS’ XIII. & Kanoniker an der hochheiligen Basilika des Apostelfürsten.

Allen und jedem einzelnen, der die vorliegende Urkunde sehen wird, gebe ich mein Wort und bezeuge mit dem Wort der Wahrheit, dass ich am 11. Tag des Monats April des laufenden Jahres 1762 das Bildnis des Heiligsten Antlitzes U[nseres] H[errn] J[esu] C[hristi] auf Seide der Farbe Weiß auf der Hälfte der Länge eine [unleserlich] Spanne, [auf der Hälfte] der Breite jedoch ungefähr eine Spanne mit eigenen Händen [an die größeren Reliquien] herangebracht & den größeren Reliquien angelegt habe, nämlich an das Hochheilige Schweißtuch der S[eligen] Veronika, an das Allerheiligste Holz des Kreuzes & an das Heilige Eisen der Lanze U[nseres] H[errn] Jesu Christi, die im hervorragenden Odeum unserer Vatikanbasilika, das hinter dem Hauptaltar gelegen ist, unter straffer Bewachung verwahrt werden. In deren Treue habe ich das Bild selbst und die vorliegende Urkunde mit meinem Siegel untersiegelt. Gegeben aus der Sakristei der Vatikanbasilika am 12. Tag des Monats April des Jahres 1762

J.A. Brachius

[Siegel mit Braschis Prälatenwappen]

Unentgeltlich auch hinsichtlich des Schriftstücks.“

 

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