Gottes Segen
für das Schwert

  • Fragment eines Weihwasserbeckens aus St. Nikolaus, Sandstein, Mittelalter

Die Geschichte der katholischen Kirche und all ihre Steinheimer Bräuche, Orte und Erzählungen ist ein so großes Feld, dass es eine gesonderte Ausstellung bräuchte, um der für Steinheim sehr bedeutenden Thematik gerecht werden zu können.

Die St. Nikolauskirche in Klein-Steinheim ist die alte Pfarrkirche Steinheims. Sie soll schon um 830 als einfaches steinernes Gotteshaus vom fränkischen Laienabt Einhard, Gründer des Klosters Seligenstadt und einer der herausragenden Persönlichkeiten der karolingischen Renaissance, gegründet worden sein. Die Kirche verfügte über einen recht großen Sprengel, welcher bis nach Hainstadt reichte. Der erste überlieferte Pfarrer ist der Archipresbyter Albert von Karben um das Jahr 1261. 1449 wurde die Pfarrkirche durch den Erzbischof in die Stadtkapelle zum Heiligen Geist in die Stadt Steinheim verlegt, die heutige Gedächtniskirche. Dies geschah in unruhigen Zeiten als Schutz der Kirchgänger durch die befestigte Stadt. St. Nikolaus war seitdem nur noch eine Filialkirche, behielt aber die Kreuzwallfahrt und den Titel der Mutterkirche mit allen zugehörigen Rechten.

St. Nikolaus zu früheren Zeiten, nach einer imaginierten Zeichnung von Friedrich Ph. Usener (1827)

Bild: Ministerialrat i.R. Ludwig Kloos in den 1950er Jahren

St. Nikolaus zu früheren Zeiten

Bild: aus Sehenswürdigkeiten in Steinheim am Main von Leopold Imgram

Heute steht von der alten, geosteten Kirche nicht mehr viel, da im Lauf der Jahrhunderte eine rege Bautätigkeit herrschte. Im Dreißigjährigen Krieg beschädigten die Geschütze von General Lamboy das Gebäude schwer, da sich dahinter die Schweden verschanzten. 1892 wurde sie aus Platzgründen neu gebaut. Lediglich die Position des Turms (um 1510) und des Chores (heutige Sakristei) befinden sich noch an gleicher Position wie früher. Im Schlussstein des Turms findet man das Wappen von Pfarrer Indagine (1488–1537). Ein Bruchstück der vergangenen mittelalterlichen Kirche ist das hier gezeigte Fragment eines Weihwasserbeckens aus Sandstein. Interessant ist hierbei die längliche Einkerbung der Klingen von Schwertern und Messern, welche von den Steinheimern am Becken gewetzt wurden, um den Segen Gottes zu erhalten. Ob hier auch Steinheimer Ritter ihr Schwert segneten?

St. Nikolaus gilt heiliger Schutzpatron und Schutzheiliger vieler Völker, Regionen und Berufe. Nach ihm ist die Tradition des Nikolaustags benannt, welcher ursprünglich den Weihnachtstag darstellte, bis dieser im Zuge der Reformation auf Weihnachten verlegt wurde.

 

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