Die Höllenhütte

  • Ziegel aus der Ziegelei Werner, 1802
  • Drei Steinheimer Ziegel aus zwei Jahrtausenden

Es waren die Römer, die eine erste Ziegelproduktion einführten und vorerst etablierten. Jedoch sollte es bis in die Neuzeit dauern, bis in Steinheim eine Industrie dazu entstand.

Die sogenannte Hellenhütte am Hellenbach am Hellenhang wird als Helen Zigel Hiten unter den Hellenzieglern Friedrich Becker und Berberich um 1690 erstmals urkundlich erwähnt. Sie existierte bis zum Sommer 1985. Da am Ort der Hütte der sogenannte fette Lett (Lettig) zur Ziegelherstellung gegraben werden konnte und Wasser in der Nähe verfügbar war, konnte sich die Ziegelei lange halten. Seit ca. 1780 war die Hellenhütte im Besitz der Familie Rachor, bis 1915 in Betrieb. Johannes Theodor Rachor wohnte dort in dem Barock-Wohnhaus aus Fachwerk bis zu seinem Tode im Jahre 1962. Die Hellenhütte war aufgrund ihrer Lage und der Aussicht für eine lange Zeit ein beliebtes Ausflugslokal und einer der Spielorte des Steinheimer Schlüsselromans „Höllenhütte“ von Dr. phil. Ferdinand Funkel aus Hanau.

Ziegeleien am Main, um 1890

Bild: Medienzentrum Hanau – Bildarchiv

Ziegelei Kemmerer ab 1870, Abbildung um 1910

Bild: aus Steinheimer Bilderbücher von Leo Mayer

In Steinheim gab es zahlreiche Ziegelhütten. Einige lagen mainabwärts neben der Fährstelle, damals noch vor der Stadt, da es oft zu Bränden kam und so die Stadt geschützt war. Peter Gürtler begann die Ziegelei 1754 am Main, es folgten 1790 die Mainziegler Knaf, Werner und Pieroth. 1850 nahm Wilhelm Rachor den Betrieb in der Hanauer Landstraße (Ludwigstraße) auf, wo auch Best sich ansiedelte. Die Ziegelei Gesser lag in der Schönbornstraße. Um 1870 nahm Kemmerer die Herstellung von Bauziegeln auf. Um 1890 gab es die Rohrbrennereien von Georg Kutzelmann in der Darmstädter Straße, Jakob Daus in der Ingelheimstraße sowie eine Ziegelei von Heinrich und Adam Rebell. In den Ziegeleien wurde oftmals in 12-Stunden-Schichten geschuftet, dabei halfen nach der Schule auch Steinheimer „Ziegelbuben“. Den roten Lehm für die Ziegel holte man vom Roten Berg.

Im Zuge der Inbetriebnahme von innovativen Maschinen der Konkurrenz waren die Steinheimer Ziegeleien nicht mehr wettbewerbsfähig und starben letztlich langsam aus. Bei den drei zusammen ausgestellten Steinheimer Ziegeln ist einer von römischem Ursprung, einer mittelalterlich von der Ziegelei am Hellenhang und einer vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese drei Ziegel bilden die lange Tradition der Ziegelei in Steinheim hervorragend exemplarisch ab.

 

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